Krise? – Mit gut informierten Mitarbeitern nur halb so schlimm

Krisen machen aus unbescholtenen Mitarbeitern Betroffene. Und die werden schnell zu unwissenden Zielscheiben für Journalisten und andere Außenstehende – wenn die interne Kommunikation nicht umgehend reagiert. Nur gut informierte Mitarbeiter können als Botschafter ihren Arbeitgeber in ein besseres Licht rücken.

Im Zeitalter des Internets, der sozialen Medien und Skandale kann sie bei vielen Organisationen in unterschiedlicher Gestalt auf der Tagesordnung stehen: die Krise. Durch eine immer schnellere Medienberichterstattung – offline wie online – breiten sich schlechte Nachrichten wie ein Lauffeuer aus. Die Folgen für die Mitarbeiter: persönliche Betroffenheit, Unsicherheit und Angst. Christine Korn und Sabine Einwiller verdeutlichen in ihrer Studie die Relevanz, Mitarbeiter bei negativen Schlagzeilen über das Unternehmen stets frühzeitig und angemessen zu informieren. Zum einen müssen sie Familie, Freunden oder auch Journalisten Rede und Antwort stehen, zum anderen können klare Informationen die Gerüchteküche innerhalb der Organisation eindämmen.

Medialer Deutungshoheit entgegenwirken

Interne Kommunikation Team Spirit Crisis Communication Krisenkommunikation TippsExterne Massenmedien haben klar das Sagen, wenn es um kritische Themen geht: 51 Prozent der Arbeitnehmer erfahren zuerst aus Zeitung, auf Nachrichtenportalen und Ähnlichem, wenn der eigene Arbeitgeber negativ auf sich aufmerksam macht. Plötzlich ist der Mitarbeiter nicht mehr nur Beobachter der negativen Berichterstattung, sondern indirekt auch deren Gegenstand. Dieser Deutungshoheit der klassischen Medien kann der Arbeitgeber durch Aufklärung entgegenwirken. Nur 35 Prozent der befragten Arbeitnehmer fühlten sich in Krisenzeiten durch ihren Brötchengeber ausreichend informiert. Die Folge: Mitarbeiter stehen Außenstehenden oftmals mit einem gefährlichen Halbwissen gegenüber.

Dem Flurfunk den Kampf ansagen

Doch wo informieren sich die Mitarbeiter am häufigsten und wie kann die interne Kommunikation diese Kanäle bewusst nutzen? Persönliche Gespräche mit Kollegen, Teambesprechungen und das Intranet sind auf den vorderen Plätzen. Der Austausch zwischen Mitarbeitern und Führungskräften besitzt dabei einen hohen Stellenwert. Die befragten Experten der internen Kommunikation tragen dem bereits häufig Rechnung: Bei besonders erklärungsbedürftigen Themen verbreiten sie Sprachregelungen über spezielle Führungskräfteportale, damit die Mitarbeiter ihre Informationen direkt vom Vorgesetzen erhalten. Ein Artikel im Intranet reicht oft nicht aus. Das Ziel: dem Flurfunk entgegenwirken. Als Königsdisziplin stellen Korn und Einwiller Sprachregelungen sowie Questions and Answers-Dokumente heraus: Besonders in Krisenzeiten muss das Unternehmen klare Antworten auf potenzielle Fragen von Journalisten oder anderen Außenstehenden bereitstellen. Zu diesem Zweck ergänzt das Intranet die persönlichen Gespräche ideal. So wird der Mitarbeiter nicht zum Risiko, sondern vielmehr zum Botschafter im Sinne des Unternehmens.

15-06-03_Merke

  • Mitarbeiter in Krisenzeiten möglichst vor der Presse informieren
  • Führungskräfte auf Fragen der Mitarbeiter intensiv vorbereiten
  • Intranet als schnelles Medium nutzen
  • Nur gut informierte Mitarbeiter können zu Botschaftern für das Unternehmen werden
Methode-Button Methode 1: Quantitative Onlinebefragung

  • Stichprobe: 287 Arbeitnehmer, über deren Arbeitgeber bereits negativ in den Medien berichtet wurde
  • Hoher Anteil großer Arbeitgeber (57 Prozent der Teilnehmer arbeiteten bei Organisationen mit mehr als 1000 Mitarbeitern)

Methode 2: Qualitative Leitfadengespräche

  • Stichprobe: 18 Verantwortliche der internen Kommunikation – ausschließlich große Unternehmen
  • Auswertung der Interviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse

📖 Weiterlesen: Korn, C. & Einwiller, S. (2016). Negative Medienberichterstattung über Organisationen – Ihre Bedeutung für Mitarbeitende und interne Kommunikation. In: S. Huck-Sandhu (Hrsg.), Interne Kommunikation im Wandel. Theoretische Konzepte und empirische Befunde (S. 123 – 141). Wiesbaden: Springer Fachmedien.